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Di 07.02.2012
Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der HERR aber ist noch größer in der Höhe.
Jesus stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.
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Geschrieben von Siegbert Riecker   
Samstag, 8. April 2006

(K)einer mag mich?

Karfreitag und Ostern bricht die Macht gefühlter Lügen

Der „Polizist“ im Kopf

„Weil du dumm bist und weil du ein Krüppel bist.“ Der Verdächtige im Verhör bricht in Tränen aus. Haben ihn wirklich alle seine Komplizen nur verraten und ausgenutzt? Vor ihm sitzt ein arroganter Polizist und knallt ihm die Beweise ins Gesicht.

In dem Film Die üblichen Verdächtigen spielt Kevin Spacey einen behinderten Trickbetrüger, der im Verhör von einem scheinbar überlegenen Polizisten immer weiter in die Enge getrieben wird.

Viele Menschen tragen einen solchen „Polizisten“ ständig mit sich herum, eine Stimme, die ihnen einflüstert, was sie zu fühlen haben. Oft fangen solche Parolen mit „Keiner“, „Nichts“, „Alle(s)“ oder „Jeder“ an. Keiner mag mich. Zu nichts bin ich zu gebrauchen. Allen bin ich egal. Niemand erkundigt sich nach mir.

Sind Afroamerikaner dümmer als Weiße?

Der Journalist und freischaffende Künstler Malcom Gladwell hat ein besonderes Interesse daran, verrückte Phänomene in unserem Alltag zu untersuchen. In seinem Buch Blink beschreibt er eine Untersuchung von zwei Psychologen in den USA. In Amerika wird viel diskutiert über Rassismus und Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen. Halten sich die Weißen gegenüber den Schwarzen für überlegen? Oder halten sich die Schwarzen selbst für unterlegen? Die Psychologen legten verschiedenen Schülern afrikanischer Herkunft eine ganz gewöhnliche Aufnahmeprüfung zum Studium vor. Ein Teil der Schüler wurde vor der Prüfung nach ihrer Hautfarbe gefragt, ein anderer Teil nicht. Das Ergebnis war erschreckend. Dieser Teil, der kurz vor der Prüfung an seine Herkunft erinnert wurde, schnitt nur halb so gut ab, wie die andere Gruppe.1 Das Unterbewusstsein hatte die Schüler „dumm“ gemacht, sie fühlten sich unterlegen, nicht gut genug für eine höhere Ausbildung. Sie fühlten sich schlecht, also waren sie auch schlechter im Test.

Die Macht unterbewusster Gefühle

Solche unterbewussten Vorurteile gegen sich selbst sind wie dieser „Polizist“ in unserem Kopf. Wenn ich glaube, dass mich keiner mag, wenn ich fühle, dass mich keiner mag, dann wird es immer schwieriger werden, mich zu mögen. Nicht weil alle anderen so unbarmherzig sind. Sondern weil ich selbst ihnen den Weg zu mir verstelle.

Ähnlich ist es mit gefühlten Lügen gegenüber Gott. Wenn ich glaube, dass ich nicht gut genug bin für Gott, wenn ich es tief in mir fühle, dass ich mir den Himmel erarbeiten muss, dann werde ich ein Leben in religiöser Sklaverei verbringen. Und dazu auch andere versklaven. Nicht weil Gott so unbarmherzig ist. Sondern weil ich mir selbst den Weg zu seiner Gnade verstelle.

Man könnte meinen, dass das nur ein Spiel mit Gedanken ist. Aber es hat Macht über das, was ich tue. Es entscheidet darüber, ob ich Gott eher fröhlich und gelassen (frei) oder verbissen und verkrampft (sklavisch) diene.

Keine Veränderung ohne „dafür halten“

Auch der Römerbrief, Kapitel 6 klingt zunächst so, wie ein Spiel mit Gedanken, doch es entscheidet über meinen Alltag: So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus. An Karfreitag vor 2000 Jahren ist Jesus am Kreuz gestorben. An Ostern ist er wieder auferstanden. Ich soll „dafür halten“, also glauben und fühlen, dass auch ich der Sünde gestorben bin. Die Sünden und damit auch die Lebenslügen haben keine Macht mehr über mich, wenn ich dieser Wahrheit vertraue.

Die Psychologen und Ratgeber sagen den Menschen: „Denkt positiv! Konzentriert euch auf das Gute, und euer Leben wird gut.“ Was für eine Täuschung, solange ich keinen Grund dafür habe! Als Christ dagegen habe ich einen wirklichen Grund, eine historische Tatsache, die die Macht der Lügen bricht. Es gibt einen, der mich mag. Er mag mich so sehr, dass er sein Leben am Kreuz für mich gelassen hat. Es ist Jesus, die wichtigste Person der Weltgeschichte. Wenn ich diese Wahrheit fühle, wird es nebensächlich, was die anderen denken (die er übrigens auch mag).

Gefühlte Wahrheit trainieren

Bleibt nur noch die Frage, wie ich meinen Gefühlen diese Wahrheit beibringen kann, und wie ich die „Polizisten“ loswerde. Vielleicht den stärksten Einfluss auf mein Denken haben Geschichten – Heute in Form von Spielfilmen, Talkshows (Lebensgeschichten), aber auch von Beziehungen zu Freunden. Jesus sagt einmal (Johannes 8): Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort... werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Vierzig Tage lang haben viele von uns es geschafft, in dem Buch Leben mit Vision zu lesen. Wir sollten diese Gewohnheit der täglichen Andacht nicht verschwenden. Mein großer Wunsch und große Bitte an jeden von Euch ist es: Lest weiter jeden Tag – lest weiter, in Gottes Wort! In der Bibel bedeutet „erkennen“ begegnen: Es kommt darauf an, täglich an der Bibel, ständig an der Geschichte Gottes mit uns Menschen zu bleiben. Dann werde ich kostbare Augenblicke der Begegnung mit der Wahrheit in Person erleben, mit Jesus, in denen er von Lebenslüge befreien kann.

Übrigens – der größte Feind der Gnade Gottes ist unser menschlicher Hochmut, so Petrus im 5. Kapitel seines 1. Briefs. Wie Hochmut vor dem Fall kommt, zeigt sich auch in dem oben genannten Film. Der arrogante Polizist täuscht sich völlig und setzt den scheinbar harmlosen Verdächtigen auf freien Fuß...

 Siegbert Riecker

1 Claude Steel und Joshua Aronson, „Stereotype Threat and Intellectual Test Performance of African Americans,“ Journal of Personality and Social Psychology 4/74 (1998): 865-77, zitiert in Malcom Gladwell, Blink. The Power of Thinking Without Thinking. London: Penguin, 2005, S. 56f.

 
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