Überraschung

Bild von Mihai Paraschiv auf Pixabay

 

 

Der schreckliche Gast

Unser Haus lag dem Eingang des Krankenhauses direkt gegenüber. Wir wohnten im Erdgeschoss und vermieteten die Zimmer in der oberen Etage an die ambulanten Patienten der Klinik. An einem Abend im Sommer machte ich gerade das Essen zurecht als es an der Tür klopfte. Draußen stand ein schrecklich aussehender Mann. “Der ist ja kaum größer als mein Achtjähriger” dachte ich, als ich den gebeugten Körper mit den runzligen Händen anstarrte. Doch das Schrecklichste war sein Gesicht. Ganz schief durch eine Schwellung. Es war Rot und wund.

Seine Stimme jedoch war angenehm als er sagte: “Guten Abend. Ich komme, um zu fragen, ob Sie für eine Nacht ein Zimmer für mich haben. Ich bin heute zu einer Behandlung in der Klinik angereist. Vor Morgen geht kein Bus zurück.“ Und er suche bereits seit dem Mittag erfolglos nach einem Zimmer.

 

"Ich denke, es liegt an meinem Gesicht...Ich weiß, dass es schrecklich aussieht. Doch mein Arzt sagt, nach ein paar weiteren Behandlungen..." Einen Augenblick lang zögerte er, doch seine nächsten Worte überzeugten mich: “Ich könnte auch in diesem Schaukelstuhl auf der Veranda schlafen. Mein Bus fährt schon früh am Morgen.” Ich sagte ihm, wir würden ihm ein Bett herrichten, er brauche nicht auf der Veranda zu schlafen. Ich ging wieder hinein und machte das Abendessen fertig.

 

Als wir soweit waren, fragte ich den alten Mann, ob er uns Gesellschaft leisten wolle. „Nein, danke. Ich habe genug dabei.” Dabei hielt er mir eine braune Papiertüte entgegen. Als ich mit dem Abwasch fertig war, ging ich auf die Veranda um ein paar Minuten mit ihm zu reden. Es brauchte nicht lange um zu erkennen, dass er ein übergroßes Herz in seinem winzigen Körper hatte. Er erzählte mir dass er fischen gehe, um seine Tochter, ihre fünf Kinder und seinen Schwiegersohn zu unterstützen. Der Rücken seines Schwiegersohnes war durch eine Rückenverletzung hoffnungslos verkrümmt. Er verlor damals seinen Job, eine Rente gab es nicht.

 

Er erzählte das beiläufig, nicht mit klagendem Unterton. Mir schien, es ging jedem Satz ein Dank an Gott für einen Segen voraus. Er war dankbar für seine Familie. Er war dankbar, dass seine Krankheit, die offenbar eine Art Hautkrebs war, nicht von Schmerzen begleitet war. Er dankte Gott dafür, dass er ihm die Kraft gab, weiterzumachen.

 

Als es Zeit zum Schlafengehen wurde, stellten wir für ihn ein Campingbett in das Kinderzimmer. Als ich am nächsten Morgen aufstand, war die Bettwäsche säuberlich gefaltet und er saß auf der Veranda. Er wollte kein Frühstück, doch kurz bevor er aufbrach, um seinen Bus zu erreichen, sagte er stockend, als würde er um einen großen Gefallen bitten: “Könnte ich bitte beim nächsten Mal wieder zurückkommen, wenn ich wieder zur Behandlung hierher muss? Ich werde Ihnen keinerlei Umstände machen. Ich kann auch gut in einem Stuhl schlafen.” Er hielt einen Moment inne und fügte dann hinzu: “Bei Ihren Kindern fühle ich mich wohl. Erwachsene wenden sich ab wegen meinem Gesicht, aber Ihren Kindern scheint das nichts auszumachen.” Ich sagte ihm, er sei jederzeit wieder willkommen.

 

Beim nächsten Mal kam er kurz nach sieben Uhr am Morgen. Als Geschenk brachte er einen großen Fisch und ein Viertel der größten Austern mit, die ich je gesehen hatte. Er sagte, er habe sie früh am Morgen enthülst, damit sie ganz frisch seien. Ich wusste, dass er den 4 Uhr Bus genommen hatte und fragte mich, wann er aufgestanden war um das für uns zu tun.

In den Jahren, in denen er zu uns kam, brachte er immer frischen Fisch, Austern oder Gemüse aus seinem Garten mit. Manchmal schickte er auch Päckchen mit der Post. Fisch und Austern, verpackt in einer Kiste. Dazu junger Spinat oder Grünkohl. Jedes Blatt sorgfältig gewaschen. Wir wussten, dass er fünf Kilometer bis zum Postamt laufen musste und er kaum Geld besaß. Das machte diese Geschenke doppelt kostbar.

Wenn wir diese Päckchen erhielten, dachte ich oft an eine Bemerkung, die unser Nachbar an dem Morgen gemacht hatte, nachdem unser Gast das erste Mal bei uns übernachtet hatte. "Habt ihr diesen schrecklich aussehenden Mann letzte Nacht bei euch untergebracht? Ich habe ihn weggeschickt! Man kann ja seine Stammkunden verlieren wenn man solche Leute aufnimmt!" Vielleicht haben wir ein oder zweimal Kunden verloren. Aber wenn sie ihn nur gekannt hätten! Vielleicht wären ihre Krankheiten dann leichter zu ertragen gewesen.

Ich weiß, dass unsere Familie immer dankbar sein wird, ihn gekannt zu haben. Von ihm haben wir gelernt, was es bedeutet, das Schlechte ohne Klagen und das Gute mit Dankbarkeit vor Gott anzunehmen.

 

Kürzlich besuchte ich eine Freundin, die ein Gewächshaus hat. Als sie mir ihre Blumen zeigte, kamen wir auch zu der Schönsten von allen, einer goldenen Chrysantheme voller Blüten. Doch zu meinem großen Erstaunen wuchs sie in einem alten, verbeulten, rostigen Kübel. Ich dachte bei mir: „Wenn das meine Pflanze wäre, würde ich sie in den prächtigsten Behälter setzen den ich habe!" Meine Freundin änderte mein Denken. „Ich hatte nicht mehr genug Töpfe“, erklärte sie, „und da ich wusste, wie wunderschön diese Pflanze werden würde, dachte ich, es würde nichts ausmachen, sie zunächst einmal in diesen alten Eimer zu setzen. Es ist ja nur für kurze Zeit, denn dann kann ich sie nach draußen in den Garten setzen." Sie muss sich gefragt haben, weshalb ich so verhalten gelächelt habe.

Autor unbekannt

Quelle: www.bibel-fürs-leben.de/27.html mit freundlicher Genehmigung des Webseiteninhabers

Gott traut auch Dir zu, dass Du in schwierigen Umständen nicht verzweifelst, sondern in Deinen Problemen die Chance, das Geschenk zu finden vermagst. Du schaffst das nicht? Dazu gehört Übung und Geduld. Menschen die daran arbeiten findest Du auch in einer Kirchgemeinde. Frag doch dort einmal, wie man eine andere Sicht bekommen kann. Es lohnt sich.

-

Dankt Gott, ganz gleich wie eure Lebensumstände auch sein mögen. All das erwartet Gott von euch, und weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid, wird es euch auch möglich sein.

Die Bibel - 1. Brief von Paulus an die Leute in Thessaloniki  (1.Thessalonicherbrief 5,18)

-